Agnes und seine Brüder eröffnen den Film-Marathon
Es war von allem nur ein bisschen und in der Summe doch genau richtig: Drama, Satire und Melodram, verpackt in einem Film, haben gestern rund 300 Zuschauer zur Eröffnung der neunten Filmreihe „Junger deutscher Film“ des Goethe-Instituts begeistert. Oskar Roehlers „Agnes und seine Brüder“ kam an beim Publikum – vermutlich, weil der Film erst dort beginnt, wo Hollywood längst aufhört.
Pressefrühstück, 22. Februar
Die Rzeczpospolita fürchtet um den Staatshaushalt und ist schönste Zeitung der Welt. Im SuperExpress werden bislang unbekannte Urlaubsfotos von Papst Johannes Paul II. veröffentlicht, die Unbekannte einer italienischen Nachrichtenagentur zugespielt hatten und die Gazeta Wyborcza schreibt im Wirtschaftsteil über die Expansionspläne von E.ON: “Das Kraftwerk geben wir nicht her”.
Polen al dente!
Wenn zwei Mitarbeiter der polen-rundschau das Erscheinen der neuen Ausgabe feiern, endet das nicht selten in einer Spaghetti-Party, mit der die Grundlage für einen ausgedehnten Bummel durch Warschaus Kneipenlandschaft gelegt wird.
Bei solchen Feierlichkeiten kamen jüngst zwei brennende Fragen auf, die eine sofortige Recherche forderten: Zum einen galt es zu klären, warum Spaghetti aus dem polnischen Supermarkt beim Kochen zu einem klumpigen Brei verkommen und zum anderen gab ein silberfarbener Untersetzer mit polnischen Worten das nächste große Rätsel auf.
Die PO reitet wieder
Nach Wochen der Defensive kommt die PO wieder in Fahrt. Mit der Unterzeichnung des Stabilitätspaktes als einzige ernstzunehmend opponierende Partei des konservativ bürgerlichen Lagers im Sejm verblieben, hat die Platforma zu ihren alten Themen zurück gefunden: Wirtschaft und Wadenbeißen. Bezeichnend, dass der neue Drang einhergeht mit einer seltsamen Stille um den gescheiterten Präsidentschaftskandidaten Donald Tusk, der seit dem Wahlkampf als Führungsperson der PO gilt. Statt dessen wird die Attacke von Jan Maria Rokita, dem mit Vorliebe huttragenden Mr. “Nizza oder der Tod”, geritten.
Pressefrühstück, 6. Februar 2006
Nachdem die polnische Presse in der vergangenen Woche anderweitig beschäftigt war, rollt nun die Karikatur-Debatte mit aller Wucht in Polen ein. Die Zeitungen nehmen sich des Themas an, freilich nicht, ohne den einen oder anderen Blick zurück zu werfen. Um die Zukunft dagegen geht es heute im Sportteil der Gazeta Wyborcza, und zwar um die ungewisse der Fernsehübertragungen der WM-Spiele in Polen. Zum Schluss erfahren wir in der “Metro”, dass “zehntausende” Polen nicht mehr Kowalski heißen wollen. Oder wie Politiker.
Koalition für Arme
Die bisher in Minderheit regierende PiS (”Recht und Gerechtigkeit”) hat heute gemeinsam mit der diffus populistischen Bauernpartei Samoobrona (”Selbstverteidigung”) und der radikalkatholischen LPR (”Liga der polnischen Familien”) einen “Stabilisierungspakt” unterzeichnet. Das ganze Dokument ist mindestens so unheimlich wie die Titel der unterzeichnenden Parteien und wahrscheinlich glauben die meisten Beobachter sogar, die Herren Giertych und Lepper hätten den Kontrakt für Jaroslaw Kaczynski (Mitte) mit jeweils einem Tropfen ihres eigenen Blutes besiegeln müssen. So genau weiß man das nicht, denn bei der eigens einberufenen Pressekonferenz (eigentlich waren es sogar zwei, doch dazu später) waren keine richtigen (auch später) Journalisten zugegen. Der “Beginn der Vierten Republik” (Roman Giertych, LPR) kam nämlich wie das Ende der Dritten: Mit großem Theater.
Polen trauert - und sucht nach Schuldigen
Polen trauert. Im Rahmen der am Sonntag ausgerufenen dreitägigen Staatstrauer wurden Konzerte abgesagt, im ganzen Land hängen Flaggen mit Trauerflor auf Halbmast, sogar an den Bussen Warschaus, die sonst nur am dritten Mai feierlich geschmückt werden. Polen trauert, zumindest öffentlich, und das mit einer Intensität, die für Ausländer manchmal nur schwer nachzuvollziehen ist. Die auch sonst gelegentlich zur Hysterie neigende Hauptstadtpresse erscheint seit zwei Tagen im Trauerkleid - was in Deutschland vermutlich sogleich von Medienkritikern und Ethikwächtern höchstkritisch hinterfragt würde, ist hier völlig normal: Der Großteil der polnischen Medien beteiligt sich am öffentlichen Bekenntnis. Der medialen Trauerarbeit entgegen steht das tägliche Leben der Metropole. Das geht weiter, was soll es auch sonst tun.







