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Europas Platz in Polen

Polnische Europakonzepte vom Mittelalter bis zum EU-Beitritt

Ob Polen als unschuldiges und wehrloses Opfer oder als „antemurale Christianitatis“ - als wahrer der europäischen Werte vor den östlichen Barbaren, welche Funktion Polen im Laufe der Geschichte einnimmt, untersuchen deutsche und polnische Autoren in insgesamt zehn Essays. Welche Bedeutung hat Europa für Polen, welche Polen für Europa? Diesen Fragen geht der im Januar 2007 erschienene Sammelband „Europas Platz in Polen“ nach.

„Heiliges römisches Reich polnischer Nationen“, wie klingt das in Ihren Ohren? Der ein oder andere mag darüber lächeln, aber solche und andere Ideen über Europa hat es gegeben. Wer nachlesen möchte, sollte sich das Buch „Europas Platz in Polen“ zur Hand nehmen. Die beiden Historikerinnen Claudia Kraft und Katrin Steffen haben darin zehn Essays von deutschen und polnischen Autoren, unter Ihnen auch die Präsidentin der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder), Gesine Schwan, zusammengetragen. Sie alle geben in verschiedener Art und Weise einen Einblick in polnische Europa-Konzeptionen in einem bestimmten Abschnitt der Geschichte. Dabei wird deutlich, dass die Definition von Europa einem ständigen Wandel unterlag. Mal mit Polen, mal ohne. Je nachdem wovon sich die Großmächte mehr versprachen. Auch die polnische Definition von Europa änderte sich oft. So gab es zwischenzeitlich die Überlegung, Polen als neue Großmacht in Mittel- und Osteuropa, das sich als Intermarium zwischen Ostsee und wahlweise Adria oder Schwarzes Meer erstreckt, zu etablieren. Ein weiterer Entwurf war eine polnisch-tschechoslowakische Föderation. Für Polen war jedoch von Anfang an klar, dass Europa nicht ohne die „christliche Vormauer“ existieren kann. Seit 1989 gehört Polen nun „wieder“ zu Europa, nachdem es „die Zeit des Kommunismus in einer Art totalitären Gefriertruhe verbracht“ (Klaus Bachmann) hat.

Die Lektüre dieses Buches setzt eine gewisse Grundkenntnis der polnischen Geschichte voraus – vom Mittelalter bis zum EU-Beitritt. Für Laien wird dieses Buch dadurch schwer zugänglich. Wer sich jedoch für Polen und Europa interessiert findet in diesem Band einen kompakten und ausführlichen Überblick über den Wandel der Europakonzepte vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Die Autoren, die am Ende des Buches im Autorenverzeichnis ausführlicher vorgestellt werden, geben dem Leser einen zusammenfassenden Einblick in die europaspezifischen Ideen polnischer Intellektueller bzw. die Rolle Polens in den Europavorstellungen der westlicheren Länder.

Das Fachbuch gibt einen Einblick in die Entwicklung von polnischer Geschichte und Philosophie und ermöglicht somit ein besseres Verständnis für die gegenwärtigen Europadebatten. Der Sammelband ist mit 247 Seiten ein interessanter Appetithappen. Überdies findet der Leser, dank der ausführlichen Quellenangaben, zahlreiche Anregungen weiterer Informationsquellen.

Das Buch ist eine der Einzelveröffentlichungen des Deutschen Historischen Instituts in Warschau und ist im fibre Verlag erschienen. Es kostet 24,50 Euro.

Claudia Kraft/ Katrin Steffen (Hrsg.)

EUROPAS PLATZ IN POLEN, Polnische Europakonzeptionen vom Mittelalter bis zum EU-Beitritt.

Vivien Kretschmann

2 Kommentare auf “Europas Platz in Polen”

    Europas Platz in Polen « Christian Domnitz… schrieb:

    […] Eine Buchbesprechung des Warschauer Journalisten Mirko Kaupat finden Sie hier. […]

    MPU schrieb:

    Ein gute jedoch sehr auf Polnisches Basiswissen basiertes Buch.

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