Im Kampf mit den Vierrädrigen
Warszawa Centrum, Rondo Domwskiego. Ich sitze im Bus, wie jeden Tag. Und wie jeden Tag, wenn ich im Bus in Richtung Centrum sitze, fällt mir spätestens am Plac Bankowy ein: „Kurcze! Du wolltest doch mal ne andere Route fahren!“. Stop and Go, der verursacht, dass es gefühlte zwanzig Minuten dauert, einen Weg von 400 Metern zurückzulegen? Das ist beim Rondo Domwskiego keine Seltenheit. Alles, was ich sehe, sind Autos, Autos und sperrige Busse und Ampeln. Die Ampeln stehen auf Rot und ein Auto mitten auf der Kreuzung? Auch kein Ding. Polnische Gelassenheit eben. Ich frag mich dann immer, ob das Verkehrschaos allein durch die Tatsache gerechtfertigt werden kann, dass Warschau nun mal eine Millionenstadt ist.
Aber vielleicht stehe auch nur ich auf Kriegsfuß mit dem Warschauer Verkehr: Wieder Rondo Domwskiego, diesmal unterhalb des Rondos, wo es zur Rush-Hour natürlich ebenfalls quetschend voll ist, mal abgesehen von den Flyer-Verteilern, die mitten auf der Treppe stehen. Und nun bin ich also unter diesem Rondo und Suche einen Bus. Kann ja nicht so schwer sein. Aber: es gibt zwar Hinweisschilder für die einzelnen Stadtteile, aber keine für die Busnummern. Gut, auch damit lässt sich nach ein bisschen Übung leben. Was aber, wenn man zum Stadtteil Ochota will und zwei mal quer durchs Rondo läuft, um letzen Endes dort anzukommen, wo man seine Odysee begonnen hat, nur auf der anderen Seite? Hier dann nochmals die Treppen Richtung Tageslicht erklimmt, vorbei an den unglaublich vielen Menschen und mitten im Weg stehenden Flyer-Verteilern, in der Annahme, dass die Straßenbahnhaltestelle doch nur hier sein kann und feststellt,…es gibt keine Straßenbahnhaltestelle! Noch mal um die eigene Achse drehend, alle Möglichkeiten abgewogen: „no, nie ma!“ Und dass es sie nicht gibt ist im Grunde auch nicht verwunderlich, denn seit in Warschau an den Straßenbahnschienen gebaut wird und zu den schrecklich vielen Autos auch noch Bauschranken und aufgerissene Trassen hinzugekommen sind, ist hier nichts mehr von Dauer. Es begegnet einem kaum noch ein Bus oder eine Tram, die nicht den Hinweis trägt: „Trasa zmieniona“. Aber irgendwie haben die geänderten Trassen auch ihr Gutes, so ist wenigstens nicht nur mein zugebenermaßen schlechter Orientierungssinn an meinen allzu häufigen Irrwanderungen Schuld.
Wie unschwer zu erkennen ist, mag ich ja Verkehr nicht besonders und ich würde vermutlich etliche Heldentode sterben, wenn ich hier in Warschau Auto fahren müßte. Aber auch als Fußgänger hat man’s nicht leicht. Letztens beim Rondo Charles de Gaulle’a – ein schrecklicher Platz in der Zeit von 8 bis 20 Uhr, aus oben genannten Gründen – stehe ich an der Ampel, quasi mitten auf der tagsüber stillgelegten Baustelle. Die Ampel schaltet auf rot um, einige rennen noch schnell über die Straße. Die Dame neben mir und ich entscheiden uns dagegen und bleiben stehen. Da hupt’s und brüllt’s von hinten: „Kurwy! Nie widzicie, ze jest czerwone?!?” Verwirrt gucken die Dame und ich erst uns und dann den völlig genervten Taxifahrer an. „Ja, natürlich sehe ich, das rot ist“, brubble ich, „sonst würde ich ja nicht hier stehen. Oder war das gerade ’ne Aufforderung zum Selbstmord?“ Die Fußgängerampel wechselt auf Grün und ich überquere die Straße. „Junge“, denk ich mir, „du bist zwar Taxifahrer, aber aggressives Fahren ist auch für dich gefährlich.“ Kopfschüttelnd eile ich in Richtung Chmielna. Einer autofreien Oase, weil Fußgängerzone. Aber natürlich gibt es auch hier Autos, wenn auch bei weitem nicht so viele. Die Sonne brennt. „Etwas Grünes muss her“, sag ich zu mir, drehe auf halben Wege um, gehe die Ujazdowski lang, in Richtung Lazienki Park und suche mir dort eine Bank unter Bäumen, fern, fern ab von irgendeiner Straße und alles, was ich höre, sind Unterhaltungen zwischen Spaziergängern und Vogelgezwitscher. „Pause!“ denk ich.
Henriette Jankow







Juli 23rd, 2007 at 11:10 pm
Grandios! Endstation Lazienki Park- sehr zu empfehlen, vor allem die allsonntäglichen Klavierkonzerte